Luther meets Pop

Alte Musik für junge Ohren. Pößnecker Band Neue Töne Pop(ular) steht vor der Premiere eines abwechslungsreichen Programms zum Reformationsjubiläum

Das Reformationsjubiläum war für Thomas Hubich, Leiter der Pößnecker Band Neue Töne Pop(ular), Anlass, alte Choräle von Martin Luther für Chor und Band neu zu arrangieren. Entstanden ist ein abwechslungsreiches Programm namens „Luther meets Pop“, das um Stücke weiterer Komponisten der letzten Jahrhunderte ergänzt wird. Der Titel lässt sich mit „Luther trifft das Popmusikzeitalter“ übertragen, jedenfalls sind knapp die Hälfte des sechzehn Werke umfassenden Programms Luther zuzuschreiben.

Durch die Einführung der deutschen Sprache im evangelischen Gottesdienst nach der Reformation fand auch der Gemeindegesang Einzug. Es entstanden Choräle, also geistliche Lieder, die von der Gemeinde in den Gottesdiensten gesungen wurden. Bis dahin war es üblich, dass sowohl die Liturgie als auch Predigt und Lieder in Latein erfolgten. „Vor Martin Luther waren die Gottesdienstbesucher nicht am Gesang involviert, denn dieser wurde von Liturgen oder Mönchen gesungen, meistens klassisch gregorianisch“, erläutert Thomas Hubich.

Durch die Melodien und Texte von Luther wurden sehr schnell viele Komponisten angeregt, selbst neue Choräle zu schreiben. Ein Vertreter, der sich von Luther inspirieren ließ, ist Paul Gerhardt, dessen Lieder heute auch noch weit verbreitet sind. „Dass die alten Choräle, die vor hunderten Jahren entstanden, noch heute zum Repertoire der Gottesdienste gehören und auch immer noch gern gesungen werden“, fasziniert Hubich. Man könne sie heute genauso leicht singen wie in den vergangenen Jahrhunderten auch. „Dadurch, dass Musik grenzenlos ist, lassen sich durch veränderte Harmonien und Rhythmen aus einfachen Sätzen auch rockige Varianten machen. Im Prinzip ist jede Stilrichtung wie Jazz, Pop oder Soul möglich“, sagt der Chorleiter. Besonders interessant ist für ihn, dass die alten Melodien dann auch für Menschen attraktiv werden, die zu den alten Melodien vielleicht nicht mehr so den Zugang haben. „Luther meets Pop“ richtet sich daher auch oder vor allem an junge Leute.

Der durch Martin Luther hervorgerufene Aufbruch kann mit den berühmten „Soli“ umschrieben werden: sola gratia, sola scriptura, sola fide und solus Christus. Diese vier Säulen der Reformationstheologie von Martin Luther – allein durch die Gnade, allein durch Glauben, allein durch die Schrift und alleine Christus – eröffnen das Konzert in einem kanonartigen Gesang, der dann überleitet in das bekannte Lied „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“, welches einen sehr interessanten Wechselgesang zwischen Solo- und Chorstimmen beinhaltet. Hier wurden neben dem bekannten Text neue Textpassagen geschrieben, die der Chor als Einwürfe innerhalb der üblichen Strophen singt. Hintergrund ist, dass bereits Luther die Bibel­texte in seinen Liedern theologisch ausgelegt hat. Bei diesem erfolgt im Schlussteil der Bezug zum bekannten Text aus dem Johannesevangelium „Am Anfang war das Wort“.

Richtig rockig wird das bekannte Kirchenlied „In dir ist Freude“. Interessanterweise wird es vom Chor einstimmig gesungen, wirkt aber durch neue Harmonien und Rhythmen der Bandbegleitung umso kraftvoller und bekommt einen super Sound. Der Choral „Jesus, Christus, König und Herr“ führt den Hörer dann bis in die Gegenwart. Er entstand 1937 und zeigt auch die Bedeutung der Choräle heute. Bei einigen davon gibt es einen neu komponierten Schlusschorus, in dem Textzeilen der bekannten Strophen neu gestaltet wurden, um die Hauptaussagen zu unterstreichen und in einen persönlichen Bezug zu setzen. Gleichzeitig ermöglicht dieser, dass sich diese Text- und Melodie-Sequenzen durch mehrmalige Wiederholung im Gedächtnis der Zuhörer einprägen und sie vielleicht auch nach dem Konzert weiter begleiten. Gelungene Harmoniewechsel und veränderte Rhythmen, knackige Chorsätze gepaart mit einfühlsamen und virtuosen Soloparts der Saxophone – Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon –, machen das Konzert zu einem echten Klangerlebnis.

Die Uraufführung des Programmes findet am 23. September um 17 Uhr in der Jüdeweiner Kirche in Pößneck statt. Am 24. September um 17 Uhr gastieren die Pößnecker in der Hospitalkirche in Neustadt.

Der Eintritt zu den beiden Konzerten ist frei. Das Ensemble Neue Töne ist aber dankbar für Spenden, um Mittel für die weitere musikalische Arbeit zu haben.

 

Ein Projekt, drei Ensembles

Neue Töne ist ein Gemeinschaftsprojekt des christlichen Vereines Mittendrin und der Landeskirchlichen Gemeinschaft aus Pößneck. Dahinter verbergen sich drei Ensembles: Neue Töne Chor, Neue Töne Pop(ular) und Neue Töne Combo. Der von André Jahn geleitete Chor tritt am 16. Dezember ab 19 Uhr gemeinsam mit dem Opern­gesangsstar Gunther Emmerlich auf der Bühne des Pößnecker Schützenhauses auf. Der unermüdliche Bass, eine Sopranistin und drei Instrumental­solisten bestreiten gemeinsam mit den Neuen Tönen ein festliches Adventskonzert. Karten für dieses Programm sind an allen Vorverkaufsstellen des Schützenhauses erhältlich.

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