333 Jahre Kantorei Pößneck wird mit Konzert gefeiert

Am Sonntag wird im Schützenhaus auch das Jubiläumskonzert aufgeführt – die „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini.

Die Kirchenmusik an der Stadtkirche Pößneck blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. Bereits für die Jahre 1540, 1578 und 1603 geben verschieden Quellen Hinweise darauf. Ab 1685 liegen genauere Aufzeichnungen über die kirchenmusikalische Tätigkeit in Pößneck vor, immer verbunden mit dem Wirken eines Kantors und seines Chores. So kann die Kantorei der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Pößneck auf eine 333-jährige Geschichte zurückblicken, ein Jubiläum, das am kommenden Sonntag mit einem großen chorsinfonischen Konzert im Pößnecker Schützenhaus gefeiert wird.

Mit Kantor Christian Ernst Oettel ist 1735 erstmals auch ein Name überliefert. Ab da lassen sich die Kirchen­musiker in Pößneck fast lückenlos bis in die Gegenwart verfolgen. Unter ihnen sind bekannte Namen wie Johann Heinrich Löffler und Arno Müller-Uri.

Aus der ganz alten Zeit gibt es nur Jahreszahlen und Hinweise auf Organisten, die vielleicht auch einen Chor geleitet haben, beispielsweise 1540 Veith Freundt und 1731 bis 1785 Georg Gieseguth. Zu Christian Ernst Oettel gibt es im Archiv des Stadtkirchenamtes ein im Original vorliegendes Schreiben unter Erwähnung seines Namens. Dieser muss wohl ein recht lustiges Leben geführt haben. Ein Auszug aus dem Do­kument: „Es ist die gemeine Rede, daß nicht alleine von einigen in Pößneckangekommenen frembden Studiosis, sondern auch von verschiedenen Einheimischen, daselbst sogar der neue Cantor sich hat befunden, zum größten Aergerniß anderer Leute ganze Nächte hindurch getanzet und sonst mit Absingung liederlicher Lieder und auf andere Weise geschwärmt worden seyn solle.“ Die Landesherrschaft in Gestalt von Christian Ernst Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld ließ deshalb ein Verhör des Pößneckers durchführen.

1741 bis 1746 gab es einen Kantor Johann Muthmann und von 1841 bis 1890 einen Konrad Koch. 1889 wurde eine Dienstordnung des Kirchendienstes für Lehrer und Kantoren erlassen – Kantoren waren damals immer auch im Schuldienst. Von 1835, 1836, 1843, 1844, 1846, 1847 und 1849 liegen Programmhefte für Texte zur Kirchenmusik am Karfreitag, zum Osterfest, zu Weihnachten und zu Neujahr vor. Diese erschienen unter den Kantoren Konrad und Andreas Koch.

Johann Heinrich Löffler spielte in der Gründerzeit und Periode des großen wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle in Pößneck. Er wirkte als Pädagoge, Dichter und Musiker, ihm zu Ehren wurde sogar eine Straße benannt. Löffler stammte aus Oberwind bei Eisfeld. Nach Pößneck wurde er 1863 gerufen. Neben 32 Schulstunden gab er 24 Klavierstunden wöchentlich. 27 Jahre leitete er einen der in dieser Zeit aufkommenden Gesangsvereine, er dichtete und komponierte. Die Löffler-Ehrung 2008, an welcher auch die Kantorei mit einigen seiner Lieder mitwirkte, rückte diesen vielseitigen Menschen wieder etwas ins Bewusstsein der Pößnecker.

Das älteste bekannte Foto der Kantorei mit Kantor Müller-Uri (links) vor dem Pößnecker Marktbrunnen mit der Kurrende. Leider gibt es keine Jahresangabe, es dürfte aber um 1920 sein. Auf dem Bild oben das legendäre Baustellenkonzert im Schützenhaus zum Thüringentag 2015.

Das Kantoren-Paar Arno und Irmgard Müller-Uri ist älteren Pößneckern sicher noch in Erinnerung. Beide bestimmten hier über 60 Jahre das kirchenmusikalische Leben. Arno Müller-Uri leitete neben der Kantorei, dem Kinderchor und der Kurrende auch den Löfflerschen Gesangsverein. Die Kantorei engagierte sich auch sozial und gestaltete Motetten für die Not leidenden Menschen im Thüringer Wald und für Kriegsversehrte. Irmgard Müller-Uri wirkte als Kantorin und spielte 47 Jahre die Orgel der Stadtkirche, welche seit einigen Jahren wieder in alter Schönheit erklingt. Arno Müller-Uri war das zehnte von fünfzehn Kindern einer Großfamilie aus Lauscha und sein Vater hatte ihm trotz schwieriger Verhältnisse eine Ausbildung zum Lehrer ermöglicht. Den Beruf übte er ab 1902 an der Knabenschule Pößneck aus. Ab 1909 war er Kantor an der Stadtkirche und in dieser Eigenschaft führte er seine Chöre häufig zu kurzen Bildungsreisen etwa nach Naumburg oder Leipzig. Für ärmere Kinder ergab sich so die Möglichkeit, ein bisschen was von der Welt zu sehen.

Ab 1973 war Kantor Jürgen Marx im Amt und in der Zeit zwischen 1987 bis 2001 hatte Kantorin Ines Gruner die Verantwortung. In dieser Zeit erklangen regelmäßig große Chorwerke, die vorrangig in der Weihnachtszeit aufgeführt wurden. Zu erwähnen ist hier insbesondere die wiederholte Aufführung des „Weihnachtsoratoriums“ von Johann Se­bastian Bach.

Von 2001 bis 2006 war Anja Katrin Krauße die Stadtkirchenkantorin. Sie setzte die intensive Chorarbeit fort und spielte unter anderem an der neuen Orgel in der Jüdeweiner Kirche. In Erinnerung geblieben sind gemeinsame Konzerte mit Chören der Stadt und der Pößnecker Umgebung. Auch große Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Brahms und natürlich das „Weihnachtsoratorium“ fanden begeisterte Zuhörer.

Nach einer Vakanz-Zeit, die sehr gut durch die damalige Neustädter Kantorin Anna Fuchs-Mertens überbrückt wurde, begann mit dem Jahr 2007 die Tätigkeit des Kantors und Organisten Hartmut Siebmanns. Diese endete vor kurzem nach fast elf fruchtbaren Jahren. Neben der selbstverständlich zur kirchenmusikalischen Arbeit gehörenden Ausgestaltung von Gottesdiensten, Gesängen zum Ewigkeitssonntag, zu Weihnachten, zu Ostern und zur Konfirmation oder den musikalischen Weihnachtsgrüßen im Krankenhaus legte Siebmanns großen Wert auf regelmäßige chorsinfonische Konzerte. Mit Chor, wechselnden Orchestern und Solisten erklangen in den letzten Jahren das „Gloria“ von Vivaldi, die „Schöpfung“ von Haydn, „Die letzten Dinge“ von Spohr und natürlich das „Weihnachtsoratorium“, um nur einige zu nennen. Eine Besonderheit waren die Uraufführungen von Werken des zeitgenössischen Komponisten An­dreas Willscher, eigens für die Pößnecker Kantorei komponiert. Großen Erfolg erlangten der „Psalm 148“, „Eine feste Burg“ und „Radegunde“. Gerade das letzte Stück, aufgeführt als Baustellenkonzert im Schützenhaus anlässlich das Thüringentages, ist einheimischen Freunden gepflegter Musik in guter Erinnerung.

Im Schützenhaus wird am Sonntag, 23. September, um 18 Uhr auch das Jubiläumskonzert aufgeführt – die „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini. Nach einer erfolg­reichen ersten Aufführung in der Stadtkirche Rudolstadt unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Bettenhausen erklingt das Werk nun in Pößneck, ebenfalls unter ihrer Leitung, gesungen vom Oratorienchor Rudolstadt, dem Kantatenchor Schleiz und der Regionalkantorei Pößneck. Begleitet werden die Sänger von der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach. Es wirken außerdem mit die Solisten Annika Rioux (Sopran), Dorothea Zimmermann (Alt), Andre Khamasmie (Tenor) und Jörg Hempel (Bass).

Vorverkaufskarten gibt es in Pößneck unter anderem in der Stadtinformation und in der Buchhandlung Am Markt, Restkarten an der Abendkasse.

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