Emotionaler Abschied von Hartmut Siebmanns

Sichtlich zufrieden blickte Kantor Hartmut Siebmanns am Sonntag in die sehr gut besuchte Pößnecker Stadtkirche zum Sommerkonzert, das gleichzeitig sein Abschiedskonzert war. Die Gäste waren gekommen, um ein schönes Konzert zu erleben, aber auch um letztmalig sein Können an einer seiner wichtigsten Wirkungsstätten zu erleben.

Kreativer, Ideengeber, Motivator

Es war 2007, als es Hartmut Siebmanns nach Pößneck zog. Was er sah, gefiel ihm, und auch zum Abschied fällt sein Urteil äußerst positiv aus: Pößneck sei eine dynamische Stadt, schön für Kinder, mit vielen hilfs­bereiten Menschen.

Die vorgefundenen Kirchenorgeln seien eine Herausforderung gewesen – die Jüdeweiner Orgel immerhin schon halb fertig, die Stadtkirchenorgel in einem jämmerlichen Zustand. Zu den Pflichten eines Kantors gehört es, Orgeldienste zu leisten, Chöre zu leiten, zum Mitsingen anzuregen, die Kirchenmusik zu koordinieren, vieles andere mehr im Team zu leisten. Hartmut Siebmanns war da immer wieder ein Ideengeber, der sich von Widerständen nicht so leicht entmutigen ließ und in den elf Jahren seines Wirkens in Pößneck bleibende Spuren hinterlassen hat.

Die Orgel in der Jüdeweiner Kirche wurde fertiggestellt, eine Orgel im Gemeindehaus angeschafft, der Chorbetrieb erlebte eine neue Blüte. Mit besonderem Stolz kann er wie alle Pößnecker auf die restaurierte Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Stadtkirche blicken, die nunmehr wieder zu den schönsten romantischen Orgeln nicht nur Thüringens gehört. Es ist kein Zufall, dass hier ein renommierter französischer Organist tagelang Max-Reger-Werke aufzeichnete oder dass der von Hartmut Siebmanns ins Leben gerufene Orgelfrühling angesehene Künstler aus aller Welt nach Pößneck lockte. Nicht nur bei diesen Großveranstaltungen mussten natürlich auch die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden, und so lobt der Motivator Hartmut Siebmanns ausdrücklich unter anderen die Stadt Pößneck und die Kreissparkasse Saale-Orla.

In seiner Amtszeit hat der Kantor immer viel ausprobiert, Künstler zum Komponieren animiert, die Zahl der Chorsänger verdoppelt und natürlich ständig an der Qualität gearbeitet. Heute ist er stolz darauf, dass seine Sängerinnen und Sänger die kleine Motette genauso beherrschen wie ein Oratorium, wie auch viele Chormitglieder stolz auf ihre Leistungen sind und deshalb seinen Weggang sehr bedauern. Mancher junge Mensch wurde musikalisch von der freudvollen Kinderchor-Arbeit Siebmanns geprägt.

Nun zieht es Familie Siebmanns an die Ostsee. Sie erfülle sich damit einen lang gehegten Wunsch, den mancher mit Ost-Sozialisation nachempfinden kann. Hartmut Siebmanns freut sich auch auf weniger direkte Arbeitsstunden, damit weniger Bürokratie und hoffentlich mehr Zeit für die eigene künst­lerische Entwicklung. Zugleich versichert die Familie, in Pößneck eine wunderschöne Zeit erlebt und viele Freunde gefunden zu haben.

Ein großes Ziel hat Siebmanns nicht erreicht, was er ausdrücklich bedauerte: Er wollte einen Runden Tisch der Kulturschaffenden in der Region gründen, zur inhaltlichen Kooperation, aber auch zu Termin­absprachen, um etwa Freunden der Orgelmusik auch den Besuch der Literaturtage oder umgekehrt zu ermöglichen.

Hartmut Siebmanns liebt romantische Musik, denn diese spricht die Menschen an, macht sie im besten Fall glücklich, und das war auch beim Abschlusskonzert spürbar. Es war ein Beleg für die inhaltlich breite Arbeit seines elfjährigen Schaffens. Die Stücke waren passend zu den begleitenden Chören ausgesucht und von hohem Niveau. Der Kammerchor etwa beeindruckte mit der Klarheit und Feinheit der unterschiedlichen Stimmen. Beim „Ave Maria“ von Caccini der Regionalkantorei hatte mancher Hörer Gänsehaut. Als zum Abschied alle Sänger Schlüssel erklingen ließen als Gruß auf den weiteren Weg und Schilder ein übergroßes „Danke“ bildeten, war es der emotionale Höhepunkt des Abends. Die Gruppe Neue Töne, ein Überraschungsgast, dankte für die jahrelange gegenseitige Befruchtung, die bis zum Austausch von Sängern führte.

Bürgermeister Michael Modde sprach von einem großen Verlust für die Stadt. Pfarrer Jörg Reichmann dankte für die musikalische Bereicherung. Viele anerkennende Worte waren am Rande des Konzertes zu hören. Alle, die ihn kennen gelernt haben, sind sich einig, dass Hartmut Siebmanns mit seinem Engagement und seiner Musik Brücken gebaut hat und ein wahrer Pößnecker Botschafter war.

Quelle: OTZ, Helmut R. W. Herrmann

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